CIN Dialogues 2017: Primate Science Fiction – Der Mensch im Spiegel der Primatenforschung. Perspektiven aus Natur- und Kulturwissenschaft

Aufgrund ihrer evolutionären Verwandtschaft zum Menschen dienen nicht-menschliche Primaten in unterschiedlichen Wissens- und Forschungskonstellationen als prominente Sparringspartner des Menschen. Wir inszenieren sie als Botschafter des Tierreichs für die Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Tier. Die Experimente zur Erforschung kognitiver Fähigkeiten von Affen im Labor orientieren sich dabei oft an der Entwicklungspsychologie von Menschenkindern. Die Wissenschaft konfrontiert die Tiere mit von Menschen erdachten Problemen und erhofft sich Einsichten darüber, welche Fähigkeiten zur Lösung dieser Probleme notwendig sind. Möchten wir die Verhaltensentscheidungen der Tiere deuten, dann scheint uns nichts anderes übrig zu bleiben, als von vornherein eine dem Menschen vergleichbare Form von Rationalität vorauszusetzen.

Aber suchen wir dabei den Menschen im Affen zu verstehen, oder den Affen im Menschen? Lernen wir dabei überhaupt etwas über Affen? Oder interpretieren wir das Leben dieser Lebewesen vor dem Hintergrund unserer menschlichen Natur und Kultur? Wie lässt sich die anthropozentrische Perspektive auf die Primaten aufbrechen?

Den Feldforscher*innen erscheinen die Laborexperimente als zu anthropozentrisch gedacht. Sie folgen dagegen einem ethologisch/ökologischen Ansatz und fragen, wie die Tiere die Probleme lösen, die sich ihnen in ihrer natürlichen Umwelt stellen: Nahrungs- und Partnersuche, Vermeidung von Fressfeinden, Ertragen harter Umweltbedingungen. Erst im Anschluss folgt der Versuch einer evolutionären Erklärung. Bei diesem Ansatz taucht dann allerdings das umgekehrte Problem auf: Was lernen wir dabei eigentlich über den Menschen?

Der diesjährige CIN-Dialog wird diese Fragen auch mit Blick auf die Entwicklung der Verhaltensforschung und Primatologie selbst behandeln. Welche Paradigmenwechsel haben hier wann und warum stattgefunden, und welche Rolle haben Forscherinnen dabei gespielt? In die Diskussion werden kulturwissenschaftliche und verhaltensökologische Perspektiven einfließen.


Es diskutieren die Primaten- und Verhaltensforscherin Prof. Dr. Julia Fischer (Göttingen) und die Anglistin und Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Julika Griem (Frankfurt a. M.). Die Diskussion moderiert Jessica Staschen.

 


CIN Dialogues 2016: Wird es maschinelles Bewusstsein geben? Ein interdisziplinäres Streitgespräch

Was meinen wir eigentlich mit künstlichem Bewusstsein? Und könnte eine Maschine auch lernen, über sich selbst zu reflektieren? Der diesjährige CIN-Dialog stellt eine Thematik ins Zentrum, die mehr denn je einer interdisziplinären Perspektive bedarf.

Seit langer Zeit bemüht sich die Informatik darum, wirklich intelligente, selber lernfähige Maschinen zu entwickeln, die nach dem bottom-up-Prinzip funktionieren und nicht mehr top-down programmiert werden. Aber erst seit wenigen Jahren dringt diese neue Welle künstlicher Intelligenz in unseren Alltag ein. Algorithmen des selbständigen maschinellen Lernens sind dem menschlichen Lernen nachempfunden. Sie haben uns Siri gebracht und einen Computer, der einen Go-Meister schlagen kann. Das selbstfahrende Auto wird bald Realität sein.

Aber könnte eine Maschine auch lernen, über sich selbst zu reflektieren? Müsste sie dafür nicht ein Bewusstsein entwickeln? Vor allem stellt sich die viel grundlegendere Frage: Was meinen wir eigentlich genau mit Bewusstsein in Maschinen? Kann unser biologisch fundiertes Bewusstsein ausreichend analysiert und schließlich gut genug verstanden werden, um für den Bau von Maschinen mit einem ähnlichen Verschaltungssystem wie im Gehirn genutzt zu werden? Hierfür müsste doch erst einmal Bewusstsein als wissenschaftlicher Untersuchungsgegenstand verstanden sein. Der diesjährige CIN-Dialog stellt eine Thematik ins Zentrum, die nur auf den ersten Blick ganz auf der informationswissenschaftlichen Ebene angesiedelt ist, und die heute mehr denn je einer neurowissenschaftlichen Perspektive bedarf. Es diskutieren der Informatiker und Spezialist für maschinelles Lernen Joachim Buhmann und der Neurophysiologe Andreas K. Engel. Die Moderation hat Ulrich Schnabel.


CIN Dialogues 2015: Alter - Mehr als nur Verlust?

Warum sprechen wir über das Altern nur wie über eine Krise? Was hat das Alter noch zu bieten außer Verfall? Die Natur- und die Geisteswissenschaften zeigen uns mögliche Antworten.

Wir werden älter als je zuvor in der Geschichte der Menschheit: Wer heute geboren wird, kann auf eine Lebenserwartung jenseits eines Jahrhunderts hoffen. Doch was dem Einzelnen ein langes Leben verspricht, das bedeutet für unsere Gesellschaft auch einen tiefgreifenden Wandel, dessen Auswirkungen wir eben erst zu spüren beginnen. Zudem knüpfen sich gerade an das hohe Alter große Sorgen und Ängste. So ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass der öffentliche Diskurs als Krisendiskurs geführt wird, mit allen damit einhergehenden Angstszenarien und Klischeebildungen.

Aber ist es für den Einzelnen erstrebenswert, ist es für unsere Gesellschaft nützlich, das Altern als reinen Degenerationsprozess zu verstehen, als körperlichen und geistigen Verfall? Aus Wissenschaft, Kunst und Philosophie mehren sich die Stimmen, die dem Stereotyp „Alter gleich Verfall” eine differenziertere Sicht entgegenstellen.

Im Alter werden Fähigkeiten entwickelt und in ihrer Breite ausgebildet, wie sie in vorausliegenden Lebensabschnitten nicht zur Verfügung stehen, z.B. emotionale Intelligenz, bestimmte Formen der Sprachkompetenz etc. Und dieser Prozess ist sachgemäß eben nicht als Abstieg zu beschreiben, sondern als Transformation. Das Gehirn organisiert und ordnet sich um. Daher kann der Einzelne im Alter auf ihm vorher nicht zugängliche Potentiale zugreifen. Und die Gesellschaft könnte die spezifischen Fähigkeiten dieser immer größeren Zahl älterer Menschen konstruktiv nutzen.

Der diesjährige CIN-Dialog versteht sich als Beitrag zu einer differenzierten Diskussion um das Alter(n) und seine Folgen. Es diskutieren der Molekularbiologe und Alzheimerforscher Konrad Beyreuther, der Psychologe und Kognitionswissenschaftler Jochen Brandtstädter sowie der Philosoph Thomas Rentsch. Die Moderation hat Wieland Backes.

Zum Download der Broschüre 2015.


CIN Dialogues 2014: Geschlecht und Gehirn

Die Unterscheidung zwischen Männern und Frauen leitet unsere Alltagserfahrung in elementarer Weise. Dementsprechend ist sie auch in der Öffentlichkeit präsent und bestimmt zahlreiche gesellschaftliche Diskurse. Dabei geht es immer wieder um folgende Fragen: Was ist „Geschlecht" eigentlich und wie können wir seine Bestimmtheit erkennen? Handelt es sich um eine zeit- und geschichtslose Konstante oder hängt die Kategorie „Geschlecht" von kontingenten kulturellen und mentalen Differenzierungen ab? Ist der Unterschied von Männern und Frauen durch biologische Determination quasi natürlich fixiert oder stellt diese nur eine Grundierung dar, auf deren Basis sich „Geschlecht“ viel wirkmächtiger als eine „Kategorie gesellschaftlicher Ordnung, Differenzierung und Hierarchisierung“ (Ute Frevert) erst herausbildet? Die Unterscheidung von sex und gender ist ein durchaus umstrittener Versuch, diesen Diskurs zu strukturieren, in dessen Folge sich auch die Frage stellt, ob eine binäre Einteilung überhaupt ausreichend ist.

Neurowissenschaftliche Forschungen haben in den zurückliegenden Jahren nahegelegt, dass die Unterscheidung von Männern und Frauen sich auch neuroanatomisch und kognitiv erklären lässt: „Männer und Frauen haben unterschiedliche Gehirne“ (Onur Güntürkün). Ist „Geschlecht“ also eine Frage des Gehirns? Sind neuroanatomische Unterschiede der Ausgangspunkt lebenslanger kognitiver Unterschiede?
Diese Fragen diskutieren die Historikerin Ute Frevert und der Neurowissenschaftler Onur Güntürkün. Das Gespräch wird von der Journalistin Elisabeth von Thadden moderiert.

 


CIN Dialogues 2013: Musik und Gehirn. Warum und Wie Wirkt Musik?

Musik gehört zu den ältesten Kulturleistungen der Menschheit. Gerade in Tübingen ist man sich dessen besonders bewusst, wurden doch von einem Team der Universität die frühesten bekannten Instrumente entdeckt: Die rund 35000 Jahre alten Knochenflöten von Geißenklösterle auf der Schwäbischen Alb. Es lässt sich daher sagen, dass Musik seit jeher einen besonderen kulturellen Wert für den Menschen besitzt. E.T.A. Hoffmann fand dafür die treffenden Worte, indem er im „Geisterreich der Töne“ die Verwiesenheit auf das „Unaussprechliche“ sah. Darüber hinaus ist Musik jedoch auch ein Phänomen, das in den Bereich der Physiologie und damit der Biologie fällt. Wie wirkt Musik und warum wirkt sie, wie sie wirkt? Das ist die zentrale Frage, der sich die CIN-Dialogues 2013 widmen. Im Rahmen einer von dem Wissenschaftsjournalisten Christoph Drösser (DIE ZEIT) moderierten Podiumsdiskussion setzen sich der Neuropsychologe, Mediziner und Musiker Prof. Dr. Eckart Altenmüller (HMTM Hannover) und der Komponist Prof. Dr. Luca Lombardi (Tel Aviv/Rom) mit dieser Frage auseinander. Neben der Diskussion wird Prof. Altenmüller zwei Stücke von Prof. Lombardi aufführen und somit auch das „Unaussprechliche“ erklingen lassen. 

Begleitet wird die Abendveranstaltung von einem eintägigen Workshop am Forum Scientiarum, in dem Prof. Dr. Eckart Altenmüller, Prof. Dr. Luca Lombardi, Christoph Drösser und die Musikpädagogin Prof. Dr. Maria Spychiger (HfMDK Frankfurt/ Main) die Thematik mit Studierenden aller Fachrichtungen erarbeiten. Der Workshop wird moderiert von Prof. Dr. Thomas Schipperges, Professor für Musikwissenschaften an der Universität Tübingen.

Unter dem Titel „Religion im Gehirn? Zur Frage neuronaler Grundlagen religiöser Erfahrung“ findet die Podiumsdiskussion zwischen dem Theologen Friedrich Wilhelm Graf und dem Neurobiologen Wolf Singer statt. Ergänzend veranstaltet das Forum Scientiarum einen eintägigen Workshop, in welchem sich Dozenten und Studierende aller Fachrichtungen mit dem Phänomen der religiösen Erfahrung beschäftigen.

 

 


CIN Dialogues 2012: Religion im Gehirn? Zur Frage neuronaler Grundlagen religiöser Erfahrung

Gibt es eine neuronale Grundlage für Religion? Die einschlägigen Experimente geben bisher noch keine klaren Hinweise. Einerseits nämlich haben Versuche gezeigt, dass sich bestimmte Hirnareale lokalisieren lassen, die bei religiösen Erlebnissen besonders aktiv sind. Manche Forscher gehen davon aus, dass sich religiöse Erfahrungen etwa mittels Magnetfeldern induzieren, also künstlich herbeiführen lassen. Es hat sich jedoch in anderen Versuchen gezeigt, dass die jeweilige Vorstellungswelt des Einzelnen entscheidend dafür ist, ob dieser einer religiösen Erfahrung zugänglich ist. Wer „religiös unmusikalisch“ ist, wie Max Weber es formulierte, der kann demnach auch durch das Einwirken von Magnetfeldern und anderen Mitteln nicht zu einer religiösen Erfahrung gebracht werden. Demnach hat man es hier also mit einer komplexen Gemengelage aus Neurobiologie und sozio-kulturellen Faktoren zu tun. Es ist daher fraglich, ob eine reduktionistische Position der Komplexität des Phänomens der religiösen Erfahrung gerecht werden kann. Dieser Problemkomplex bildet den Hintergrund der CIN-Dialogues 2012.

Unter dem Titel „Religion im Gehirn? Zur Frage neuronaler Grundlagen religiöser Erfahrung“ findet die Podiumsdiskussion zwischen dem Theologen Friedrich Wilhelm Graf und dem Neurobiologen Wolf Singer statt. Ergänzend veranstaltet das Forum Scientiarum einen eintägigen Workshop, in welchem sich Dozenten und Studierende aller Fachrichtungen mit dem Phänomen der religiösen Erfahrung beschäftigen.

 

 


 

CIN Dialogues 2011: Wer ist „ICH“? Modelle des Selbst

„Was ist Bewusstein?“ gehört zu den ältesten Fragen der abendländischen Wissenschaftstradition. In Gestalt des Leib-Seele-Problems oder der erkenntnistheoretischen Frage nach dem Verhältnis von Subjekt und Objekt beschäftigen sich Philosophie, Theologie, Psychologie

und Neurobiologie mit dieser Thematik. Die spektakulären Erfolge der neurobiologischen Forschung in den letzten Jahrzehnten und nicht zuletzt die Möglichkeiten bildgebender Verfahren haben diese alte Diskussion neu befeuert. Die klassische Frage nach dem Verhältnis von Geist und Materie wird dabei um die Frage ergänzt, ob das bewusst erlebte Ich als eine reale Entität oder vielmehr als ein Simulation des Gehirns zu verstehen ist.

Auf dieser Grundlage hat sich eine umfangreiche Forschung entwickelt, die sich erfreulicherweise immer mehr in Richtung Interdisziplinarität bewegt. Die CIN-Dialogues beschäftigen sich daher in diesem Jahr mit dem Thema „Wer ist ICH? Modelle des Selbst“. Mit dem Neurologen Olaf Blanke und dem Philosophen Thomas Metzinger erörtern zwei der in ihren Fachgebieten führenden Experten die Bewusstseinstehmatik in einer Podiumsdiskussion. Eingerahmt wird dieses Streitgespräch durch einen interdisziplinären Workshop am Forum Scientiarum Tübingen, in dem Vortragende aus den Gebieten der Neurowissenschaften und Geisteswissenschaften gemeinsam mit Studierenden verschiedener Fachrichtungen die zentralen Fragen dieses Themenkomplexes erarbeiten.

 


 

CIN Dialogues 2010: What are aesthetic feelings?

CIN Dialogues is an annual series of lectures jointly held by the CIN and Forum Scientiarum of Tübingen University.

'What are aesthetic feelings?'

An interdisciplinary discussion between Semir Zeki (Neuroscience), University College London, and Hans Belting (Art History and Media Sciences), Staatliche Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe, on 19 November 2010, moderated by Gert Scobel.